Seit Mai 2025 ist die staatlich anerkannte Sozialarbeiterin in unserer Beratungsstelle MobbingHelp tätig. Im Interview sprechen wir mit der 29-Jährigen über ihr Fachgebiet - aber auch darüber, wie sie ihre neue Stelle bei uns erlebt und gestaltet.
Die ersten 100 Tage im Caritas Regionalverband Halle e. V. sind vorbei: Wie war Ihr Start bei uns?
Ich wurde total herzlich empfangen. Gleich am ersten Tag habe ich alle Kolleg*innen auf unserer Etage und in unserer ersten Dienstberatung die Mitarbeitenden aus Merseburg kennengelernt. Bei dem Onboarding Event »Caritas-Tag« habe ich dann zusammen mit anderen Neuankömmlingen mehr über die Arbeit der Caritas und die Verbandskultur erfahren.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit in der Beratungsstelle MobbingHelp?
Unser Team besteht aus Silko Gastel und mir. Wir sind also nur zu zweit. Daher arbeiten wir sehr eng zusammen, führen zusammen Beratungen durch und gestalten gemeinsam Veranstaltungen wie z. B. Workshops in Schulen.
MobbingHelp ist also paritätisch besetzt. Gibt es einen Grund dafür?
Ja, unbedingt. Mobbing stellt für die betroffenen Kinder und Jugendlichen eine belastende Situation dar. Oft fällt es ihnen schwer, sich anderen anzuvertrauen und das Erlebte zu schildern. Hier kann es hilfreich sein, wenn die Möglichkeit besteht, zwischen einem Mann und einer Frau als Ansprechperson zu wählen.
Warum es so wichtig, dass es MobbingHelp gibt?
Mobbing ist kein Problem, das Betroffene allein bewältigen können. Es braucht die Unterstützung von außen. Genau hier setzt MobbingHelp an und bietet gezielte Hilfe, die sich an der individuellen Situation der Betroffenen orientiert. Zudem ist Mobbing weiter verbreitet, als viele denken: Studien zufolge ist jede*r sechste Schüler*in schon einmal betroffen gewesen.
Welche Folgen kann Mobbing für die Betroffenen haben?
Die Folgen sind gravierend: Betroffene leiden meist unter Angst, Scham oder einem massiv geschwächten Selbstwertgefühl. Viele entwickeln depressive Symptome oder sogar Suizidgedanken, besonders wenn das Gefühl der Ausweglosigkeit über längere Zeit anhält. Auch körperlich zeigt sich Mobbing.
Inwiefern?
Durch die anhaltende Belastung kommt es oft zu psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafproblemen oder Appetitlosigkeit. Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück, entwickeln Schulangst oder meiden die Schule ganz, was sich wiederum negativ auf ihre schulische Leistung und weitere Bildungsbiografie auswirkt. Auch für das familiäre Umfeld ist die Situation belastend.
Welche Rolle spielen denn die Eltern?
Eltern fühlen sich häufig hilflos, weil sie zwar sehen, wie es ihrem Kind geht, aber nicht wissen, wie sie helfen können. Um auch sie bei der Bewältigung der belastenden Situation zu unterstützen, beziehen wir die Familien in unsere Beratung aktiv ein.
Und wie kann die Situation an den Schulen verbessert werden?
Die Unterstützung der Schulen bildet den zweiten wichtigen Teil unserer Arbeit: Wir setzten gezielte Maßnahmen zum Konfliktmanagement in betroffenen Klassen um. Hier geht es darum, Mobbingstrukturen zu erkennen und aufzulösen. Dabei arbeiten wir eng mit Lehrkräften und der Schulsozialarbeit zusammen, um das Klassenklima nachhaltig zu verbessern.
Inwiefern kann Mobbing frühzeitig entgegengewirkt werden?
Dafür führen wir präventive Workshops durch, in denen soziale Kompetenzen wie Empathie, Konfliktlösung und respektvoller Umgang gestärkt werden, um ein positives Miteinander zu fördern und der Entstehung von Mobbing den Nährboden zu entziehen. Darüber hinaus gehören die Fachkräfteweiterbildung, das Durchführen von thematischen Elternabenden sowie die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit zu unseren Aufgaben.
Was mögen Sie besonders an Ihrem neuen Beruf?
Am liebsten führe ich unsere Teambuilding-Workshops durch, da ich gerne präventiv und mit Gruppen arbeite. Dabei kann ich mein Wissen und meine bisherigen Erfahrungen aber auch viele eigene Ideen einbringen. Außerdem startet im Herbst mein Masterstudium. Mit meiner Teilzeitanstellung und flexiblen Arbeitszeiten bei der Caritas, kann ich meine Kompetenzen berufsbegleitend erweitern. Dafür bin ich sehr dankbar.