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Stand: 22.09.2017

Pressemitteilung

Kurberatung aktuell

Müttergenesungswerk veröffentlicht Bericht 2016/2017

Verteilt über ganz Deutschland können kurbedürftige Menschen 1.200 Beratungsstellen im Verbund der Elly Heuss-Knapp-Stiftung aufsuchen. Trotz eines erhöhten Bedarfes sinkt diese Anzahl kontinuierlich. Der Caritas Regionalverband Halle bietet eine Kurberatung am Standort Merseburg und die Beratung in Halle an.

In der Jahrespressekonferenz am 10. Oktober haben Schirmherrin Elke Büdenbender, Kuratoriumsvorsitzende Dr. Kirsten Soyke und Geschäftsführerin Anne Schilling die Zahlen für das vergangene Berichtsjahr vorgestellt.

Zeitdruck wird zur psychischen Belastung bei Müttern und Vätern

Trotz Berufstätigkeit stehen viele Mütter nach wie vor als Hauptverantwortliche für Familienarbeit in einer permanenten Überlastungssituation mit Zeitstress und hohem Erwartungsdruck. Von ca. 49.000 Müttern, die 2016 an einer Mütter- oder Mutter-Kind-Kurmaßnahme im Müttergenesungswerk teilgenommen haben, leiden über 87 Prozent unter Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out.
„Es ist in Ordnung, wenn Mütter sich nicht immer stark fühlen. Damit sind sie nicht alleine. In den Kurmaßnahmen im Müttergenesungswerk wird dieser Bewusstseinsprozess gefördert. Davon berichteten mir Mütter, mit denen ich bei meinem Besuch in einer Mutter-Kind-Klinik diesen Sommer sprach. Die Effekte der Kurmaßnahmen sind also sehr nachhaltig und können in den Alltag übertragen werden.“, so Büdenbender.

Im Müttergenesungswerk haben sich 20 Kliniken auf eine väterspezifische Ausrichtung und Behandlung spezialisiert. 1.600 Väter nahmen das Angebot an. Die Belastung bei Vätern ist ähnlich gelagert und ähnlich ausgeprägt wie bei den Müttern. Die Gesundheitsstörungen, die zur Aufnahme in einer Klinik führen, gestalten sich gleich. Nach den über 80%igen Erschöpfungszuständen folgen ebenso wie bei den Müttern die Muskel- und Skelettstörungen.

Steigender Bedarf, sinkende Beratung? Gesetzliche Bedingungen schaffen

Mütter und Väter haben einen hohen Informations- und Aufklärungsbedarf. Im Antragsverfahren ist es sehr wichtig, keine zusätzlichen Belastungen zu schaffen, sondern kompetente Unterstützung zu bieten. Doch das Netz bröckelt: Rund 1.200 Beratungsstellen beraten jährlich 130.000 Mütter und Väter bei Kuranträgen und Nachsorge. Vor 10 Jahren waren es noch 1.400 Stellen. Der Hintergrund: Es gibt keine öffentliche Finanzierung für diese Beratungsarbeit. Es bedarf einer Zukunftssicherung mit gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Aufgabe: „Wenn wir von rund 2 Millionen kurbedürftigen Müttern in Deutschland ausgehen, aber nur 130.000 sich beraten lassen, sehen wir, dass das Potential der Beratungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft ist und leider nur ein Bruchteil eine Kurmaßnahme beantragt. Breitere Information und individuelle Beratung sind daher wesentlich, damit die Mütter und Väter ihren gesetzlichen Anspruch auch wahrnehmen können“, so Dr. Kirsten Soyke, Kuratoriumsvorsitzende. „Als Korrektiv und politische Stimme für die Rahmenbedingungen und den Zugang zu Kurmaßnahmen empfiehlt die Stiftung dringend eine gesetzliche Sicherung der Beratung in Deutschland.“